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GESUNDHEIT

Schlucken oder nicht? Die ganze Wahrheit über Sperma, Eiweiß, Schönheit und die beliebtesten Mythen, die längst vergessen werden sollten

Das Internet liebt ungewöhnliche «Schönheitsgeheimnisse». Mal wird Sperma als Superfood bezeichnet, mal als Gesichtsmaske angepriesen, und manche behaupten sogar, es verbessere die Stimmung und helfe dabei, den Eiweißbedarf zu decken. Das klingt oft so überzeugend, dass man es leicht glauben könnte.

Das Internet liebt ungewöhnliche «Schönheitsgeheimnisse». Mal wird Sperma als Superfood bezeichnet, mal als Gesichtsmaske angepriesen, und manche behaupten sogar, es verbessere die Stimmung und helfe dabei, den Eiweißbedarf zu decken. Das klingt oft so überzeugend, dass man es leicht glauben könnte.

Doch was sagt die Wissenschaft tatsächlich dazu? Wir haben Fakten von Mythen getrennt und uns angesehen, was im Körper wirklich passiert.

Fangen wir mit der wichtigsten Frage an: Ist es sicher, Sperma zu schlucken?

Die kurze Antwort lautet: Ja – wenn der Partner gesund ist und keine Allergie vorliegt.

Sperma ist an sich weder giftig noch gefährlich für das Verdauungssystem. Gelangt es in den Magen, trifft es auf eine sehr saure Umgebung, in der die Spermien schnell zerstört werden. Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate werden dabei wie jede andere Nahrung ganz normal verdaut.

Mit anderen Worten: Der Körper behandelt Sperma nicht als etwas Besonderes – es durchläuft den gewöhnlichen Verdauungsprozess.

Warum gibt es dann so viele Diskussionen darüber?

Weil Sperma eine recht komplexe Zusammensetzung hat. Es enthält Eiweiße, Zucker, Mineralstoffe, Enzyme, Hormone und viele weitere biologische Bestandteile.

Genau das hat zahlreiche Mythen über seine «besonderen Eigenschaften» entstehen lassen. Das Problem ist nur: Dass bestimmte Stoffe enthalten sind, bedeutet nicht, dass sie nach der Verdauung eine spürbare Wirkung entfalten.

Kann man damit seinen täglichen Eiweißbedarf decken?

Hier scheitert der Mythos an den Zahlen.

Ja, Sperma enthält Eiweiß. Doch die Menge ist so gering, dass es keinen Sinn ergibt, es als Proteinquelle zu betrachten.

Bei einer Ejakulation wird nur eine sehr kleine Menge Flüssigkeit abgegeben, und der Eiweißgehalt liegt lediglich bei einem Bruchteil eines Gramms.

Zum Vergleich:

  • Ein Ei enthält etwa 6–7 Gramm Eiweiß.
  • Ein Becher griechischer Joghurt liefert etwa 15–20 Gramm Eiweiß.
  • Eine Portion Hähnchenbrust enthält mehr als 25 Gramm Eiweiß.

Um dieselbe Menge Eiweiß über Sperma aufzunehmen, wären völlig unrealistische Mengen erforderlich.

Das Fazit ist eindeutig: Als Eiweißquelle für Sport oder Muskelaufbau eignet sich Sperma überhaupt nicht.

Und was ist mit der Stimmung? Diesen Mythos gibt es ebenfalls

Das gehört zu den beliebtesten Geschichten in sozialen Netzwerken.

Manchmal wird behauptet, Sperma wirke wie ein natürliches Antidepressivum.

Woher stammt dieser Mythos? Vor einigen Jahren wurde eine Studie veröffentlicht, in der sexuell aktive Studentinnen zu ihrer Kondomnutzung und zu depressiven Symptomen befragt wurden.

Die Forschenden fanden einen statistischen Zusammenhang – doch das bedeutet nicht, dass es einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gibt.

Wichtig sind dabei mehrere Punkte:

  • Es handelte sich um eine Umfrage und nicht um ein wissenschaftliches Experiment.
  • Die Studie bezog sich nicht auf Oralsex.
  • Die Ergebnisse wurden durch keine weiteren großen Studien bestätigt.

Es gibt daher keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass das Schlucken von Sperma die Stimmung verbessert.

Kann eine Allergie auftreten?

Ja, allerdings ist das sehr selten.

Es gibt eine Allergie gegen bestimmte Eiweiße in der Samenflüssigkeit. In diesem Fall können nach dem Kontakt folgende Symptome auftreten:

  • Juckreiz oder Brennen,
  • Schwellungen der Lippen oder der Zunge,
  • Hautausschlag,
  • in sehr seltenen Fällen eine schwere allergische Reaktion.

Treten solche Symptome nach dem Kontakt mit Sperma auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Die wichtigste Frage betrifft Infektionen

Hier ist besondere Vorsicht geboten.

Hat der Partner eine sexuell übertragbare Infektion, kann sie beim Oralsex übertragen werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Chlamydien,
  • Gonorrhö,
  • Syphilis,
  • Herpes,
  • Humane Papillomviren (HPV),
  • HIV (das Risiko ist geringer als bei vaginalem oder analem Sex, besteht aber).

Wenn Sie sich über den Gesundheitszustand Ihres Partners nicht sicher sind oder Sie sich nicht gemeinsam auf sexuell übertragbare Infektionen haben testen lassen, ist ein Kondom beim Oralsex der beste Schutz.

Und was ist mit den «Beauty-Hacks»?

Ein weiterer weit verbreiteter Internetmythos ist die Verwendung von Sperma als Gesichtsmaske.

Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass Sperma die Haut verjüngt, Falten reduziert oder Akne behandelt.

Im Gegenteil: Das Auftragen biologischer Flüssigkeiten auf die Haut kann Reizungen oder allergische Reaktionen auslösen – besonders bei empfindlicher Haut.

Dermatologinnen und Dermatologen empfehlen daher, nicht zu experimentieren und stattdessen Produkte zu verwenden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde.

Was man sich merken sollte

Rund um Sperma kursieren viele Mythen, doch die meisten halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.

Ist der Partner gesund und besteht gegenseitiges Einverständnis, stellt das Schlucken von Sperma für die meisten Menschen kein gesundheitliches Risiko dar. Es ist jedoch weder eine Möglichkeit, mehr Eiweiß aufzunehmen, noch die Stimmung zu verbessern oder eine perfekte Haut zu bekommen.

Die beste Orientierung in Fragen der sexuellen Gesundheit sind keine viralen Tipps aus dem Internet, sondern verlässliche medizinische Informationen, regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen und eine offene Kommunikation mit dem Partner.

Schlucken oder nicht? Die ganze Wahrheit über Sperma, Eiweiß, Schönheit und die beliebtesten Mythen, die längst vergessen werden sollten
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