In den vergangenen Jahren sind Kohlenhydrate zu einem der meistdiskutierten Themen rund um gesunde Ernährung geworden. Manche verzichten nach 18 Uhr darauf, andere streichen Brot, Getreide und Bananen komplett vom Speiseplan, und viele sind überzeugt, dass gerade Kohlenhydrate das Abnehmen verhindern und ungesund sind.
In den vergangenen Jahren sind Kohlenhydrate zu einem der meistdiskutierten Themen rund um gesunde Ernährung geworden. Manche verzichten nach 18 Uhr darauf, andere streichen Brot, Getreide und Bananen komplett vom Speiseplan, und viele sind überzeugt, dass gerade Kohlenhydrate das Abnehmen verhindern und ungesund sind.
Aber sind eine Scheibe Vollkornbrot oder ein Apfel wirklich die größten Feinde einer schlanken Figur? Und warum betonen Ernährungswissenschaftler immer häufiger, dass nicht Kohlenhydrate das Problem sind, sondern die Art und Weise, wie wir sie auswählen?
Schauen wir uns die Fakten an – ganz ohne Mythen und Panikmache.
Das Wichtigste zuerst: Kohlenhydrate sind weder Brötchen noch Pasta. Sie sind eine ganze Gruppe von Nährstoffen, die in einer Vielzahl von Lebensmitteln vorkommen.
Kohlenhydrate stecken unter anderem in:
Mit anderen Worten: Ein Teller Linsen und ein Bonbon enthalten beide Kohlenhydrate – ihr Einfluss auf den Körper ist jedoch völlig unterschiedlich.
Nach der Verdauung werden die meisten verwertbaren Kohlenhydrate in einfache Zucker umgewandelt. Der Körper nutzt sie als Energiequelle oder speichert sie als Glykogen in Leber und Muskeln.
Die kurze Antwort lautet: Ja – aber mit einer wichtigen Einschränkung.
Unser Körper kann Glukose selbst herstellen – aus Fetten, Aminosäuren und anderen Stoffen. Dieser Prozess heißt Glukoneogenese.
Deshalb kann ein Mensch eine Zeit lang auch mit einer sehr kohlenhydratarmen Ernährung überleben.
Doch nur weil der Körper einen Mangel ausgleichen kann, bedeutet das nicht, dass dieser Mangel gesund ist.
Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Ein Mensch kann mehrere Tage ohne Essen überleben – also braucht er keine Nahrung. Offensichtlich funktioniert diese Logik nicht.
Rund um dieses Thema gibt es zwei gegensätzliche Mythen.
Der erste: Ohne Süßes funktioniert das Gehirn nicht.
Der zweite: Das Gehirn braucht überhaupt keine Glukose.
Die Wahrheit liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen.
Unter normalen Bedingungen nutzt das Gehirn hauptsächlich Glukose als Energiequelle.
Wer Kohlenhydrate jedoch über längere Zeit stark einschränkt, bildet vermehrt Ketonkörper, die das Gehirn teilweise als alternative Energiequelle verwenden kann.
Das ist ein natürlicher Anpassungsmechanismus.
Das bedeutet aber nicht, dass eine ketogene Ernährung automatisch das Gedächtnis oder die Konzentration verbessert.
Bei intensiver körperlicher Belastung greift der Körper auf seine Glykogenspeicher zurück – eine Art „Energiebatterie“ der Muskeln.
Deshalb werden diese Reserven nach einem intensiven Lauf, Krafttraining oder Tanzen schnell aufgebraucht.
Wenn die Speicher leer sind:
Bei moderater Bewegung kann sich der Körper zwar anpassen, doch für regelmäßigen oder intensiven Sport bleibt eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr oft ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.
Viele Menschen streichen nicht nur Süßigkeiten, sondern auch ballaststoffreiche Lebensmittel.
Mit Vollkornbrot, Obst, Hülsenfrüchten, Gemüse und Getreide verschwinden häufig auch Ballaststoffe vom Speiseplan.
Und Ballaststoffe gehören ebenfalls zu den Kohlenhydraten.
Sie:
Wer also „alle Kohlenhydrate“ streicht, verzichtet oft auf einen der wichtigsten Bausteine einer ausgewogenen Ernährung.
Das ist ein perfektes Beispiel dafür, dass Kalorien allein nicht die ganze Geschichte erzählen.
Sowohl der Apfel als auch Apfelsaft enthalten natürlichen Zucker.
Der ganze Apfel liefert zusätzlich:
Dadurch essen wir ihn langsamer, bleiben länger satt und der Körper reagiert anders darauf als auf ein Glas Saft.
Dasselbe Prinzip gilt für viele andere Lebensmittel.
Das Internet teilt Lebensmittel gern in Schwarz und Weiß ein.
Tatsächlich ist es sinnvoller, das Lebensmittel als Ganzes zu betrachten.
Weniger günstige Optionen sind zum Beispiel:
Nährstoffreichere Quellen sind:
Alle enthalten Kohlenhydrate – ihre Nährstoffqualität unterscheidet sich jedoch deutlich.
Nach einer Portion Reis, Haferbrei oder einer Banane steigt der Blutzuckerspiegel tatsächlich an.
Und genau das ist eine völlig normale körperliche Reaktion.
Die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus, die Zellen nehmen Glukose auf und der Blutzucker kehrt schrittweise in den normalen Bereich zurück.
Dieser Vorgang hat nichts mit Diabetes zu tun.
Problematisch wird nicht der natürliche Anstieg nach einer Mahlzeit, sondern dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte infolge von Stoffwechselstörungen.
Keine Ernährung bleibt „leer“.
Wird die Menge an Kohlenhydraten reduziert, steigt meist der Anteil von:
Deshalb lautet die eigentliche Frage nicht: „Sind Kohlenhydrate schlecht?“, sondern: „Wodurch ersetze ich sie?“
Eine Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Fetten unterscheidet sich grundlegend von einer Ernährung, in der Getreide durch Wurst und fettreiches Fleisch ersetzt wird.
Die ketogene Ernährung wird in der Medizin bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie für jeden gesunden Menschen ideal ist.
Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf eine stark kohlenhydratarme Ernährung.
Manche fühlen sich damit wohl.
Andere überhaupt nicht.
Deshalb sollte sie nicht als allgemeiner Standard einer gesunden Ernährung angesehen werden.
Hier ist die Antwort einfacher.
Der Körper braucht Glukose.
Das bedeutet aber nicht, dass er Süßigkeiten braucht.
Zugesetzten Zucker sollte man möglichst begrenzen – vor allem in Getränken, Desserts und stark verarbeiteten Lebensmitteln.
Natürlichen Zucker aus Obst und Beeren zu verteufeln, ergibt dagegen keinen Sinn.
Die beste Strategie besteht nicht darin, eine ganze Lebensmittelgruppe zu streichen, sondern hochwertige Kohlenhydratquellen zu wählen.
Eine ausgewogene Ernährung kann enthalten:
So versorgt der Körper sich nicht nur mit Energie, sondern auch mit Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen.

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